Update über die letzten Wochen in Saverne

Freitag, 12.06.2015

Es wird Zeit, endlich wieder was von mir hören zu lassen. Ich war in letzter Zeit ziemlich schreibfaul und meinte immer zu mir selbst: „Sehr viel mehr als über die Arbeit kannst du sowieso nicht schreiben.“ Doch mittlerweile gilt das nicht mehr und ich bringe euch mal auf den neuesten Stand.

Das Praktikum ist soweit prima, das Betriebsklima ist ebenso super. Ich habe sogar schon die Halbzeit erreicht. Es gibt Tage, an denen ich sehr viel zu tun habe, was auch Spaß macht, und die Zeit total schnell vergeht. Dann gibt es aber auch wieder Phasen, in denen ich vor lauter Langerweile gar nicht weiß, was ich tun soll, weil der Chef nur schwer anzutreffen ist und ich nicht fragen kann, was ich als nächstes machen darf. In solchen Situation schreibe ich immer an meinem Mémoire. Das ist die französische Bachelorarbeit, die ich für Perpignan anfertigen muss, um meinen angestrebten Doppelabschluss zu bekommen. So einfach ist das aber gar nicht. Davon abgesehen, war eine meiner größten Sorgen, dass ich Anfang September zur Verteidigung noch einmal nach Perpignan reisen muss. Als ich dann feststellen musste, dass mich diese 40 Pflicht-Minuten in unvorstellbare Kosten reißen würden (es ist noch Sommerurlaubs-Hochsaison zu dieser Zeit), habe ich nach Alternativen gefragt. Und ich habe mich riesig gefreut, als mir mitgeteilt wurde, dass ich die Verteidigung auch per Videoschaltung absolvieren kann. Das ist zwar eine komische Vorstellung, aber dafür viel weniger Aufwand.

Hin und wieder treffe ich mich mit ein paar der jüngeren Kollegen. Es wird sich gegenseitig eingeladen oder man setzt sich einfach nur auf ein Glas in ein Café oder eine Bar. Da jeder der Kollegen andere Kontakte pflegt, lerne ich immer mehr Leute kennen, die bei KUHN arbeiten. Es ist schon lustig, wenn man das Gelände durchquert und vielen bekannten Gesichtern begegnet.

Ich habe jetzt übrigens noch einen neuen Mitbewohner. In der Wohnung der Dame, bei der ich wohne, gibt es nämlich noch ein zweites leeres Zimmer. Mitte Mai ist dort ein neuer Praktikant eingezogen. 

Am 8. Mai war in Frankreich Feiertag. An diesem Tag wurde vom Betriebsrat ein Ausflug in den Europapark nach Rust organisiert. Darüber konnte man Eintrittskarten für weniger als die Hälfte des ursprünglichen Preises erhalten. Es wurden 14 Busse und für jeden ein Lunchpaket organisiert (die meisten haben ihre Familie mitgenommen). Ich bin allerdings mit zwei Kolleginnen (sie sind Schwestern) mit dem Auto hingefahren. Das war ganz gut so. Erstens waren wir unabhängig und zweitens mussten wir die 2-stündige Verzögerung der Abfahrt der Busse nicht miterleben. Der Europapark ist gar nicht weit entfernt, man fährt eineinhalb Stunden mit dem Auto. Dadurch kennen die beiden Elsässerinnen den Europapark so gut wie ihre Westentasche. Der Tag war wirklich genial und überhaupt - ich war noch nie in einem größeren Freizeitpark als Belantis. Deshalb war mir in der größten Achterbahn des Parks (Blue Fire) mit Loopings und Schrauben auch gar nicht so gut zumute. Meine beiden Kolleginnen konnten ganz genau sagen, welche Attraktionen wir unbedingt mitmachen sollten und welche nicht so spektakulär sind. Zum Glück, denn der Park ist soo groß, dass an einem Tag gar nicht alles zu schaffen ist, zumal man überall eine halbe bis über eine Stunde anstehen muss. Sehr genial war der Silver Star, eine Achterbahn, in der man bis zu 75 Meter nach oben gezogen wird und danach fast senkrecht abfällt. Noch erwähnenswert ist das Rafting. Dort habe ich einen riesigen Schwapp Wasser über meinen Oberschenkel bekommen. Meine Hose war danach triefend nass und zum Auswringen bereit. Glücklicherweise gab es Föhnkabinen.

  Europapark - eine ziemlich nasse Angelegenheit :) Europapark - rechts im Hintergrund: Silverstar


Eine Woche später, am Donnerstag, stand Himmelfahrt an. Eigentlich hieß es, dass ich am Freitag danach arbeiten sollte. Komischerweise sollte da aber die Produktion stillstehen, und somit auch der Versand. Am Mittwochnachmittag wurde mir freundlicherweise mitgeteilt, dass ich doch gern einen Brückentag machen darf. Da ich vor lauter Schreck gar nicht wusste, was ich an vier freien Tagen machen sollte, habe ich spontan noch am gleichen Abend Fahrkarten nach Hause gekauft. So konnte ich wenigstens drei Tage in der Heimat verbringen. Das war auch mal wieder schön. 

Die nächste Etappe war der Besuch von Tom über Pfingsten. Das Wetter war wunderbar. Einen Tag haben wir in Straßburg verbracht. Dort gab es einen echten elsässischen Flammkuchen – sehr lecker!

Strasbourg Strasbourg

Ein anderes Mal konnten wir Fahrräder von meiner ehemaligen Gastfamilie ausleihen und sind ungefähr 30 km entlang des Kanals geradelt. Das war herrlich. Erstens hatten wir Natur pur und sind von Schleuse zu Schleuse und zweitens sind wir einen Weg entlang des alten, stillgelegten Kanals gefahren. Die alten Wärterhäuschen an den ehemaligen Schleusen haben die Gegend noch schöner gemacht.

Radtour entlang des Kanals zwischen Rhein und Marne Radtour entlang des Kanals zwischen Rhein und Marne

Zwei Abende haben wir bei meiner ehemaligen Gastfamilie verbracht. Das war ebenfalls prima. Nur Tom war teilweise etwas verloren, da er der französischen Sprache nicht mächtig ist und der Gastvater wiederum kein Deutsch spricht. Der Rest der Runde hat sich jedoch bemüht, ab und zu Deutsch zu reden. Es wurde beide Male gut gegessen. Einmal gab es als Nachtisch Bananen-Schokoladen-Flammkuchen, eine interessante und richtig leckere Kreation. In meiner Praktikumszeit bin ich hin und wieder vor Ort. Ich bin froh, dass wir den Kontakt gehalten haben und es künftig auch noch tun werden.

 

Das letzte Mai-Wochenende habe ich in Paris verbracht. Dort habe ich Kira getroffen. Während ich 3 Stunden im Zug saß, hat sie ungefähr die gleiche Zeit gebraucht, um mit dem Flieger aus Perpignan von Tür zu Tür zu kommen. Die beiden Tage waren super und haben auch zur guten Abwechslung beigetragen. Am Samstag hatten wir größtenteils Sonnenschein und konnten viel besichtigen. Es war mein drittes Mal in Paris, und doch kann man jedes Mal andere Sachen unternehmen. Angefangen haben wir mit einem Aufstieg auf die Dächer der Notre Dame, was auch ich zum ersten Mal gemacht habe. Dafür durften wir uns eine Stunde und 20 Minuten anstellen. Aber da in Frankreich die meisten Kulturbesuche für unter 25-Jährige kostenfrei sind, hat uns das umso weniger gestört. Der Blick war atemberaubend und zeigt ganz andere Winkel. Die Kathedrale ist auch weit genug vom Eiffelturm entfernt. Besonders interessant finde ich den Baustil. Überall sind Figuren in unzähligen Gestalten und Varianten zu sehen. Hinter der Notre Dame gibt es einen schicken Park, und wieder dahinter eine Brücke mit Liebes-Schlössern. So voll wie das Geländer behangen ist, könnte man fürchten, dass es bald zusammenbricht.

Paris - Notre DameParis - Notre Dame Paris - Notre DameParis - Notre DameParis - Notre Dame Paris - Notre Dame

Später ging es zum Louvre, wo wir einer ziemlich lustigen Gestalt begegnet sind.

 

Dann ging unser Weg weiter über die Champs Elysées, zum Triumphbogen bis hin zum Eiffelturm.

Paris - Blick vom Louvre auf die Champs ElyséesParis - Champs Elysées Paris - Champs Elysées

Dort haben wir uns ein bisschen niedergelassen und das Flair genossen. Allerdings sind die ganzen Afrikaner besonders nervig, die den Leuten im Menschengetummel Souvenirs oder Getränke aufschwatzen wollen. Am schlimmsten ist zur Zeit das Geschäft mit Selfie-Stangen. Ständig hatten wir so ein Ding vor dem Gesicht hängen. Am liebsten hätte ich reingebissen oder etwas durchgebrochen. Naja, aber von sowas lässt man sich ja den Tag nicht verderben.

Anschließend haben wir noch einen Abstecher auf den Montmartre, inklusive Sacré Coeur gemacht. Das gehört einfach zur Kult-Tour durch Paris.

Paris Sacré Coeur  

Nach einem Abendessen in der fabelhaften Welt der Amélie haben wir uns noch einen super leckeren Crêpe mit Schokolade gegönnt. Danach wollten wir uns am Eiffelturm niederlassen, um seine abendliche und später nächtliche Beleuchtung zu genießen. Das ist uns sehr gut gelungen, denn als wir die Trocadero-Treppen vor den Wasserspielen hinunter sind, hat unten am Fuße ein Musiker mit seiner Gitarre und Gesang die Leute unterhalten. Das hat uns super gut gefallen, denn er hat sowohl moderne als auch Kult-Stücke gespielt. So haben wir uns zwischen hunderten von Menschen auf der Treppe niedergelassen und konnten mit guter Stimmung den Eiffelturm im Hintergrund beobachten, wie seine Lichter in der immer dunkler werdenden Abenddämmerung allmählich besser zum Vorschein kamen. Zur vollen Stunde ging jeweils für 5 Minuten ein Lichterspiel an und das Wahrzeichen Paris‘ stand komplett im Funkeln.

 

Der Sonntag war leider grau und regnerisch. Anfangs haben wir uns noch auf den Triumphbogen getraut. Dort musste man gar nicht anstehen. Später haben wir uns nach innen verzogen und etwas gegessen. Um die Mittagszeit mussten wir uns sowieso verabschieden, weil wir am frühen Nachmittag leider schon wieder die Rückreise antreten mussten. Das Wochenende war zwar kurz, aber gelungen.


Dadurch, dass ich an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden etwas unternommen hatte, konnte ich genauso oft nicht zur Orchesterprobe gehen. Letztes Wochenende war ich nach kurzer Pause wieder anwesend. Jetzt muss ich nochmal ordentlich üben, denn nach der kommenden Probe am Sonntag, ist nächstes Wochenende schon unser Auftritt bei der Fête de la Musique in Bergbieten. Ich freue mich schon und hoffe, dass es das Wetter gut mit uns meint. Da wir im Freien spielen sollen, droht bei Regen eine Absage der Veranstaltung.
 

Und nun noch ein kleiner Ausblick, falls meine Schreib-Faulheit wieder zurückkommt:

Anfang Juli findet mit dem Orchster ein gemeinsamer Tag mit Grillen, Spielen, Angeln und lustigem Beisammensein statt. Das wird jedes Jahr im Sommer veranstaltet. In meiner Au Pair- Zeit war ich schon einmal dabei. Das war ein prima Tag und somit gibt es wieder etwas, auf das man sich freuen kann.

Außerdem habe ich dieses Mal frühzeitig erfahren, dass ich am 13. Juli einen Brückentag machen darf. Der 14. Juli (ein Dienstag) ist Nationalfeiertag in Frankreich. Ich habe mir vorgenommen, auch an diesem verlängerten Wochenende nach Hause zu kommen und schon einmal etwas Gepäck mitzubringen. Danach bin ich nämlich nur noch zweieinhalb Wochen hier und das Frankreich-Jahr ist vorbei. Ich wüsste gar nicht, wie ich alles auf einmal heim schleppen sollte, zumal ich auch noch mein Akkordeon mitgenommen habe. Somit bietet sich das also ganz gut an. Außerdem ruft das Heimweh.
 

So, nun wisst ihr über die letzten und noch kommenden, geplanten Ereignisse Bescheid – und ich habe jetzt die Nase voll vom Schreiben. Auf Arbeit nutze ich nämlich (wie es in Frankreich üblich ist) eine AWERTY-Tastatur. An die habe ich mich mittlerweile gewöhnt und vertippe mich dafür ständig an meinem eigenen Laptop. Sonst hätte ich den Beitrag bestimmt schon eine halbe Stunde eher hochladen können :)

Alsace vs. Catalogne

Freitag, 01.05.2015

Am Tag nach meinem letzten Blogeintrag bin ich also abends in Saverne angekommen. Meine neue Vermieterin war so lieb, mich zusammen mit ihrer Enkelin vom Bahnhof abzuholen und beim Kofferziehen zu helfen. Sie ist eine sehr sympathische ältere Dame, die ein Zimmer in ihrem Haus vermietet. Damit bin ich vollkommen zufrieden, denn es ist wesentlich größer und schöner als meine Besenkammer in Perpignan. Zudem kann ich nach fast 8 Monaten endlich wieder eine richtige Küche und ein richtiges Badezimmer benutzen. Fabelhaft !

Nach einer tollen Woche, die ich zu Hause in Deutschland verbracht habe, ging dann mein Praktikum los. Ich wurde sehr nett empfangen, die Kollegen sind prima und nehmen sich Zeit, mir alles zu erklären. Bis jetzt macht es mir sehr viel Spaß. Es ist zwar ziemlich anspruchsvoll, aber ich denke, dass ich in ein paar Wochen richtig eingearbeitet sein werde und irgendwann die ganzen Prozesse verstehe. Es sind ja erst zwei Wochen vergangen.

Wie ich schon erzählt hatte, arbeite ich bei Kuhn, einer Firma, die Landwirtschaftsmaschinen herstellt. Das Praktikum verbringe ich in der Versand-Abteilung, in der mir Aufgaben wie Planung von Maschinenlieferungen in die ganze Welt oder Beobachtung und Kontrolle von Lagerbeständen zugeteilt werden. Dabei muss ich auch ab und zu einen Abstecher in die Export-Abteilung machen. Da sich mein Arbeitsplatz ganz am Ende des Betriebsgeländes befindet, der Eingang, Export und Kantine aber nahe am Eingang anzutreffen sind, habe ich täglich einige Spaziergänge von jeweils 10 Minuten zu erledigen. Aber das macht mir nichts aus. Das Essen in der Kantine ist fabelhaft, reichhaltig und gar nicht teuer. Da können ein paar Schritte mehr nicht verkehrt sein.

Gestern habe ich an einer Betriebsführung teilgenommen und bin einigen anderen Praktikanten begegnet. Es war sehr interessant, auch weil es sich um eine weniger Firmen handelt, die noch eine eigene Gießerei besitzt.

Es gibt hier auch einige jüngere Kollegen in den Mitt-Zwanzigern, die mich neulich auf einen netten Abend eingeladen hatten. Eigentlich resultierte das aus einem riesigen Zufall, denn ich bin jemandem begegnet, den ich schon aus meiner Au Pair-Zeit hier in Saverne kannte. Er war dazumal selbst Praktikant bei meiner Gastmutter, die ebenfalls bei Kuhn arbeitet (aber in einer völlig anderen Abteilung) und wurde eines Abends bei uns zum Essen eingeladen. Nun ist er fest angestellt im Unternehmen. Der Abend letzte Woche war prima und die Leute sind wirklich in Ordnung. Es war sogar eine Kollegin aus dem Versand dabei.

Stickpunkt : meine Au Pair-Zeit in Saverne. Meine damalige Gastfamilie habe ich natürlich auch schon wiedergesehen. Es ist jetzt zwei Jahre her, dass wir uns das letzte Mal getroffen haben. Sie sind noch genauso herzlich wie damals und die Kinder immer noch goldig. Der kleine Hugues war damals gerade 2-3 Jahre alt und konnte gerade etwas sprechen, nun ist er 6 und Lise auch schon 10. Wahnsinn !

In meinen ersten Tagen zurück in Saverne habe ich erneut die Stadt erkundet und geschaut, ob sich etwas verändert hat. Als es am Schloss vorbei ging, in der sich unter anderem eine Jugendherberge befindet, musste ich an unseren tollen Orchesteraustausch vor zwei Jahren zurückdenken und komischerweise auch daran, wie ich Luise und Maja ausgesperrt hatte xD Sorry nochmal, ihr beiden :D

Während meiner Praktikumszeit werde ich wieder im Orchester „Mossiguia“ (mittlerweile „Why note“) mitspielen, in welchem ich auch in meiner Au Pair-Zeit aktiv war und es ein Jahr später mit meinem heimischen Orchester „Tacctart“ bekannt gemacht habe. Bei der Probe am letzten Wochenende war ich schon dabei. Momentan wird die Fête de la Musique Ende Juni vorbereitet, ein großes Event in ganz Frankreich. Es war prima, alle altbekannten Gesichter wiederzusehen und in ihren Rängen zu spielen. Seitdem ich das letzte Mal im August in die Tasten gehauen habe, hat mir das Musizieren ganz schön gefehlt.

Mal schauen, was die Praktikumszeit bis 31. Juli noch alles mit sich bringt. Im Mai gibt es erst einmal viele Feiertage: den heutigen 1. Mai, den 8. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten. Dieses Wochenende ist leider alles grau, nass und kalt. Aber der Sommer ist im Anmarsch :)

Füße hoch und Kopf zu

Freitag, 10.04.2015

Nun ist es soweit - das Kapitel „Studieren in Frankreich ist abgeschlossen“. Ich sitze gerade hier mit 4 mehr oder minder sperrigen bzw. gewichtigen Gepäckstücken und wäre dann abfahrtbereit für den morgigen Tag.

Doch zunächst erst einmal ein Rückblick über die letzten 3,5 Wochen :

Vor zwei Wochen fand die alljährliche Gala der Logistik-Studenten statt. Dazu ging es an einem Freitagabend nach Rivesaltes (20 Minuten mit dem Auto von Perpignan) in die gemütlichen Gemäuer eines Weingutes, das auch Hotellerie und Restauration betreibt. An diesem Abend sollten sich alle schick kleiden und ehemalige Studenten sowie Lehrer waren auch dabei (in Frankreich sagt man an den Unis zu den „Profs“ ganz einfach „Lehrer“). Zunächst wurde auf typisch französische Art und Weise 3 Stunden lang diniert. Als dann gegen Mitternacht das Dessert serviert wurde, konnte ich schon kaum noch essen. Das sind einfach keine gängigen Essenszeiten. Etwas später wurde Musik aufgelegt und die Tanzfläche eröffnet. Es war total lustig, denn es gab keinen Unterschied mehr zwischen Studenten und Lehrern, sogar die Sekretärin, die gute Seele des Hauses, hat mit abgerockt :) Da konnte man merken, dass es sich bei unserer Fakultät um ein relativ familiäres Umfeld handelt – alles klein, aber fein.

Unterricht hatten wir ja nicht mehr so viel, aber dafür umso mehr Gruppenarbeiten zum Ende zu bringen. Sehr erleichtert war ich, nachdem die letzte Fallstudie verteidigt war. Ich hatte das Glück, in einer tüchtigen Gruppe zu sein. Diese hat es allerdings nicht gestört, den Beleg zur Verteidigung eine Stunde vor dem Termin fertigzustellen, ihn überhaupt erst einmal auszudrucken und die PowerPoint dann eine halbe Stunde vorher noch fix aufzustellen. Ich werde es nie verstehen, wie man erst zwei Tage vor der Angst beginnen kann, sich mit dem Thema zu beschäftigen, obwohl uns jedes Mal circa zwei Wochen zur Verfügung standen - und das nicht umsont. Aber beim Tauziehen mit 4 Personen am einen und einer Person am anderen Ende, muss sich eine der beiden Partien ganz klar geschlagen geben. Naja, ich stempel das letzten Endes unter französischer Mentalität ab.

Ein bisschen stolz bin ich auf das CO2-Projekt, in dem ich in einer multikulturellen Gruppe mit einer chinesischen und einer madagassischen Kommilitonin gearbeitet habe. Nachdem uns diese Mission 5 Monate beschäftigt hat, konnten wir die Ergebnisse letzte Woche verteidigen. Der Auftraggeber der Firma und auch unser Prof waren zufrieden und wir sind um eine Erfahrung reicher.

Die größte Hürde der letzten Wochen waren die Prüfungen diese Woche. Dieses Ostern fiel für mich trotz Bilderbuchwetter flach, denn ich durfte mich freundlicherweise auf 6 Prüfungen vorbereiten, die an 3 Tagen geschrieben wurden. Nach der letzten Prüfung gestern Abend, wurde von den Studenten aus dem zweiten Studienjahr ein kleiner Umtrunk im Foyer unseres Gebäudes vorbereitet. Im Stress der letzten Wochen ist mir gar nicht bewusst gewesen, dass dieser Moment der letzte mit meiner französischen Klasse sein wird. So richtig bewusst wurde es mir erst genau dann. Es ist schon ein komisches Gefühl, dass man die meisten dieser Kommilitonen wahrscheinlich nie wieder sehen wird. Immerhin haben wir sieben Monate zusammen verbracht. Aber so ist das nun einmal im Leben.

Nun steht wieder ein neues Kapitel bevor. Morgen werde ich als Packesel mit dem Zug nach Saverne fahren und bin 10 Stunden unterwegs. Am Sonntag trete ich eine weitere Zugfahrt nach Hause an, wo ich noch eine Woche verbringen werde, bevor das Praktikum beginnt. Ich bin schon ziemlich aufgeregt und gespannt was mich da erwartet. Doch erst einmal freue ich mich auf daheim. Also Füße hoch, Kopf zu und keine Prüfung, keinen Vortrag, keine Verteidigung, keine Gruppenarbeit, keine Abgabetermine mehr im Kopf haben :) Ich muss lediglich Anfang September nochmal nach Perpignan kommen - für die Verteidigung meiner Abschlussarbeit im Rahmen des Praktikums. Aber das ist noch laaange hin.

Übrigens habe ich jetzt meinen Zeitzähler oben rechts im Blog umgestellt, da ich nun mein Abreisedatum kenne. Bisher konnte ich nur sagen: „Meine Zeit in Perpignan beträgt bereits 218 Tage, 2 Stunden, 55 Minuten und 21 Sekunden.“ 

Ein Hauch von Pyrenäen

Mittwoch, 18.03.2015

Heute gibt es etwas mehr zu berichten, denn wie ich hatte ja schon erzählt, dass Tom zu Besuch kommt. Wir haben Einiges unternommen, denn ich hatte glücklicherweise nicht so viel Unterricht und befand mich noch in der Phase der Ruhe vor dem Sturm. Letzterer steht nun kurz bevor und alle Arbeit wird wieder auf einmal kommen.
Dieses Mal waren wir öfter in den Pyrenäen unterwegs, denn die Berge galt es noch zu erkunden. Auch wenn es ohne Auto und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur begrenzt möglich ist, konnten wir zumindest ein bisschen sehen, was schon sehr schön war.

Der erste Ausflug ging nach Saint Paul de Fenouillet. Von dort aus sind wir bis zu den Galamus-Schluchten gewandert. Diese befinden sich allerdings nicht direkt in den Pyrenäen, sondern in einem kleineren Gebirgszug namens Corbières. An diesem Tag sind wir insgesamt (mit Hin- und Rückweg) 14 km gefußt. Das Ziel hatten wir stets vor Augen, doch der Weg bis dahin geht nicht direkt, wie es in den Bergen nun mal üblich ist, sondern schlängelt sich dahin. Zuvor sind wir ein Stückchen in die entgegengesetzte Richtung gelaufen, um noch einen anderen Blick mitzunehmen :

Saint-Paul-de-Fenouillet : Clue de la Fou

Etwas erschöpft am Ziel angekommen (es ging ja nur bergauf), hatten wir ringsum eine tolle Sicht. Der Weg hat sich also gelohnt. Die Schluchten konnte ich in ihren Dimensionen gar nicht fotografieren. Sie sind ungefähr 800 m tief, das ist echt gigantisch. Bei dem tollen Ausblick haben wir mitten am Berg einen kleinen Zufluchtsort entdeckt. Man muss wirklich genau hinsehen, aber auf dem Foto ist er mit drauf.

Galamus-SchluchtenGalamus-Schluchten

Bis dorthin war es gar nicht weit, es gab einen durch die Felsen gebohrten Weg. Dort haben wir einen leckeren Kaffee getrunken und hinter dem Objekt sogar eine Kapelle entdeckt, die ganz simpel aus einem möblierten Felsspalt bestand.

Galamus-Schluchten Kapelle

Auf dem Rückweg konnten wir den Ausblick genießen, bis hin zum mit Schnee bedeckten Canigou.

 
Am Tag darauf ging es direkt in die Pyrenäen. Mit dem 1€ Bus sind wir nach Vernet-les-Bains gefahren, von wo aus wir nach Casteil gelaufen sind. Bis dahin ging es die ganze Zeit schon stetig bergauf. Unser Ziel war die Abbaye Saint Martin du Canigou, es handelt sich um ein Kloster, in dem Nonnen wohnen. Ein Wegweiser zeigte uns die Richtung mit dem netten Hinweis, dass wir in den nächsten 25 bis 50 Minuten 1,6 km mit einer Steigung von 300 m zurücklegen werden. Der Aufstieg war ziemlich anstrengend, vor allem für untrainierte und wenig konditionierte Möchtegern-Bergsteiger. Auf halber Strecke, also nach 800 m (das klingt so lächerlich xd), hatten wir diesen Blick auf Vernet-les-Bains in der Ferne und auf Casteil, was etwas näher ist:

  Blick auf Vernet-les-Bains in der Ferne

Aber mit vielen Pausen (fast nach jeder Nadelöhrkurve) und nach einer geschlagenen Stunde sind wir endlich angekommen. Und ich sage euch – einen solch wunderbaren Ausblick hatte ich noch nie, glaube ich. Einfach atemberaubend.

Kloster Saint Martin du CanigouAusblick auf das Kloster Saint Martin du Canigou

Wir saßen eine ganze Zeit dort und haben genossen - bis die Abfahrt des letzten Busses in Vernet-les-Bains uns zwang, wieder abzusteigen. Dabei habe ich von weiten ein großes Tier mit langen Beinen gesehen. Ich hatte schon Angst, es wäre ein Kampfhund der gleich auf uns zugerannt kommt und wollte mich hinter Tom verstecken – bis er es als eine harmlose Bergziege identifiziert hat.

Dem armen Tier fehlte zudem noch ein Fuß, schien aber schon länger damit durch die Berge zu hüpfen, denn es war alles verheilt bzw. mit Fell bedeckt. Was mich immer noch nicht loslässt ist der verdammt steile Schlängelweg, den die Nonnen mit dem Auto hoch bzw. runter fahren, das ist echt gefährlich. Aber ab und zu müssen auch sie mal „in die Stadt“.

 
Ein paar Tage später sind wir mit Zug und Bus noch einmal Richtung Meer gefahren, und zwar nach Gruissan, ein kleines Örtchen unweit von Narbonne. Dort gab es eigentlich gar nicht so viel zu sehen bis auf einen schicken Hafen und eine Schlossruine (Tour Barberousse) aus dem Mittelalter.

Gruissan HafenGruissan Tour BarberousseGruissan Blick vom Tour BarberousseGruissan Blick vom Tour Barberousse

Später sind wir einem Schild gefolgt, das uns zum Strand führen sollte. Mit Hunger und Durst sind wir dort angekommen, in der Hoffnung, uns in ein Café oder sonstiges setzen zu können. Doch um den abgelegenen Teil von Gruissan am Strand handelt es sich um eine reine Feriensiedlung. Sie war wie ausgestorben und überall waren die Fensterläden geschlossen, ziemlich gruselig sogar. Also ging es wieder zurück und den Rest des Tages haben wir genossen, auf sonnigen Bänken und in einem Café am Hafen, in dem sogar mehrere deutsche Gäste waren. Tom hat sich in seiner kompletten Zeit in Perpignan natürlich auch wieder an den leckeren Crêpes und Galettes erfreut. Ich mich natürlich auch, sonst esse ich sie ja auch kaum. Eine leckere französische Speise !

 
Der letzte Ausflug ging in ein Örtchen namens Prats de Mollo la Preste in den Pyrenäen, kurz vor der spanischen Grenze. Das war wieder ein Tag, um Ausblicke zu genießen. Von einer höher gelegenen Burg aus und auch auf dieselbe.

Prats-de-Mollo-la-Preste, Blick von der BurgPrats-de-Mollo-la-Preste, Blick von der BurgPrats-de-Mollo-la-Preste StadtmauerPrats-de-Mollo-la-PrestePrats-de-Mollo-la-PrestePrats-de-Mollo-la-Preste, die Burg scheint gar nicht so hoch gelegen zu sein - ist sie aber :)

 

Es waren mal wieder ein paar tolle Tage, die viel zu schnell vorbei gegangen sind. Und gestern ist Tom wieder abgereist. Und bevor das Praktikum am 20. April losgehen soll, werden wir uns schon wieder sehen, denn die Uni endet am 11. April. 

Ich hatte ja versprochen, über das Fortschreiten meiner Praktikumssuche zu berichten. Und ich kann mit großer Freude sagen, dass ich endlich eins gefunden habe, und zwar bei einem Hersteller für Landwirtschaftsmaschinen. Das ist sogar eine ziemlich große Firma, die bis in die USA und Brasilien verbreitet ist. Das heißt, ich werde viel über die Grenzen hinaus arbeiten, so wie ich es mir immer gewünscht habe. Mit noch größerer Freude möchte ich verkünden, dass ich dazu in das Elsass gehe, und zwar nach Saverne – in genau die Stadt, in der ich vor drei Jahren meine Au Pair- Zeit verbracht habe. Eigentlich kann ich es kaum erwarten, das Praktikum zu beginnen. Zum einen kann ich endlich das verdammte Unileben in Perpignan hinter mir lassen, zum anderen bin ich in einer wunderschönen Gegend, in der ich mich wohlfühle und einige Leute wiedertreffen kann, dazu gehört vor allem meine ehemalige Gastfamilie. Doch zunächst, muss ich noch 3,5 Wochen hier überstehen, in denen wir unser CO2-Projekt beenden und verteidigen, die letzte Fallstudie bearbeiten müssen und es wieder eine Horror-Prüfungswoche geben wird.
Der anstehende Umzug wird wahrscheinlich etwas umständlich, denn mein vieles Gepäck kann ich unmöglich mit in den Flieger nehmen. Also heißt es Zug fahren, das wird schon irgendwie klappen :)

Zurück im Süden

Samstag, 28.02.2015

Nun bin ich schon wieder zurück und eine weitere Woche in Perpignan ist vergangen. Die Woche zu Hause hat wirklich gut getan nach dem ganzen Stress. Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr gefreut, alle zu Hause wiederzusehen. Die Rückkehr war dieses Mal nicht ganz so schlimm, wie nach den Weihnachtsferien, denn nächste Woche wird Tom noch einmal von seiner momentan vielen Freizeit Gebrauch machen, die durch eine schlechte Verwaltung seiner Diplomarbeit zustande gekommen ist, und mich für 10 Tage in Perpignan besuchen. Wieder etwas, worauf man sich freuen kann :D Dann werden wir sicherlich auch wieder ein bisschen die Gegend erkunden :)

Bis heute, ist hier nicht so viel geschehen. Ich hatte zwei Termine mit meiner Gruppe für das CO2-Projekt, einen in Perpignan und einen in Le Boulou. Es geht nun darum, der Firma Vorschläge zu bringen, weniger CO2 auszustoßen, das heißt die Transportwege, -auslastung und –frequenzen optimieren. Dazu sind wir auf der Suche nach einer Möglichkeit für mehr Lieferungen per Eisenbahn.

Außerdem hatte ich gestern zwei Vorstellungsgespräche für ein Praktikum, eins vor Ort und eins per Videotelefonat. Mehr dazu kommt im nächsten Blogeintrag.

Heute wollte ich mit Kira und Fabian nach langer Auszeit mal wieder Badminton spielen. Als wir jedoch in der Turnhalle waren, haben wir bemerkt dass sich der Plan geändert hat und gerade Aikido geturnt wurde, oder was auch immer man da macht.^^ Kurzerhand sind wir in einen Park in Perpignan gefahren. Die Anlage war noch sehr winterlich, aber dort gibt es auch einen kleinen See, wo wir ein paar Bieber entdeckt haben :) 

Hallo nach langer Zeit!

Freitag, 13.02.2015

Das ist mein erster Blogeintrag in diesem Jahr. Er kommt ziemlich spät, denn ich hatte bis jetzt nicht viele spannenden Sachen zu berichten und keinen klaren Kopf. Das Jahr hat für mich leider nicht so fröhlich begonnen. Die ersten beiden Prüfungswochen haben mich ziemlich ausgelaugt. Und so richtig erholt fühle ich mich immer noch nicht hundertprozentig. Aber es geht bergauf. Nachdem ich befürchtet hatte, einige der 14 Prüfungen verhauen zu haben, habe ich das erste Semester in Perpignan letztendlich sehr gut abgeschlossen. Keine Ahnung, wie ich das angestellt habe, denn für die meisten Prüfungen war teilweise nicht einmal ein einziger Nachmittag Zeit zum Lernen und ich habe mich nie wirklich vorbereitet gefühlt. Dann kam die andauernd erfolglose Praktikumssuche dazu und der anstehende Stress für das neue Semester. Da wollte ich einfach nur noch meine Koffer packen, und zurück nach Hause.

Doch mittlerweile sind schon wieder vier Wochen des zweiten Semesters vorbei und morgen ist der Tag, den ich schon seit der ersten Januarwoche auf ewig ersehnt habe: Die Ferien fangen an und ich komme für eine Woche nach Hause. Ich freue mich riesig :) (Schon krass, dass in meinem letzten Blogeintrag ein ähnlicher Satz steht.)
Nach den beiden Prüfungswochen, für die es kein Adjektiv gibt, um deren Härte zu beschreiben, habe ich einen tollen Tag mit Kira und Fabian in Collioure verbracht. Das ist hier unser „magischer Ort“ und er war perfekt für eine Aufmunterung. Irgendwie war es auch komisch, ein sonst mit tausenden Touristen bevölkertes Örtchen nahezu menschenleer zu erleben. Bei heißer Schokolade und Crêpes ließen wir es uns gut gehen. So kalt wird es hier im Winter auch gar nicht. In den letzten Wochen haben hier wir etwas erlebt, was wir nach unserem Aufenthalt im französischen Katalonien definitiv nicht vermissen werden: die Tramuntana. Das sind sehr starke Winde, die sich in Regionen entwickeln, wo Berge und Meer gleichzeitig aufzufinden sind. Das macht hier die eigentliche Kälte aus. Bei Gegewind hat es mir manchmal die Luft abgedrückt, sodass ich rückwärts laufen musste. Auf den Parkplätzen sind sämtliche Mopeds und Motorräder umgefallen, über das Wohnheimgelände flogen Socken, Unterhosen, BHs und Schuhe und nachts konnte ich nicht schlafen, weil der Wind so laut gepfiffen hat. Der Wind kommt für ein paar Tage und geht für ein paar Tage, so wie er gerade lustig ist. Im Moment ist es hier glücklicherweise ganz ruhig.

Ein kleines Highlight, von dem ich eigentlich vor zwei Wochen schon hätte berichten können war der Besuch von Kira und mir in Lyon. Wir waren über das Wochenende dort und haben unsere liebe Freundin Jessica getroffen, die dort in der Nähe studiert. Es war ein tolles Wiedersehen und Lyon ist eine klasse Stadt. Hier ein paar Eindrücke davon:

Alles gemalt :)

Das neue Semester scheint übrigens etwas weniger vollgepackt zu sein. Wir haben viel weniger Unterricht – nur noch 7 Module im Gegensatz zu 17 im vorherigen Semester. Die freie Zeit, die sich daraus ergibt, ist allerdings dringend notwendig. Unsere Projets Tuteurés (bei uns das CO2-Projekt) laufen nun auf Hochtouren, wir haben einige Termine und Ende März/ Anfang April sollen wir unsere Ergebnisse verteidigen. Außerdem bekommen wir im Rahmen eines Modules Fallstudien, die natürlich in anderen Gruppen stattfinden als in den Gruppen für das Projet Tuteuré. Das bringt die Organisationsfähigkeit der Franzosen völlig zum Abklingen. Gestern mussten wir die ersten Fallstudie verteidigen und sind eigentlich erst 5 Minuten vor dem Termin so richtig fertig geworden. Solch ein Timing gefällt mir ganz und gar nicht, aber man ist ja der Gruppe unterlegen.

Nebenher ist die Praktikumssuche ebenso in der Hochphase, bei mir leider immer noch erfolglos. Nach 60 Bewerbungen rieselt es nur Absagen oder gar keine Antworten. Bei telefonischem Nachfragen, muss man hier mindestens drei Wochen und 5 weitere Telefonate abwarten, um endlich mal die richtige Person zu erreichen, um dann wiederum eine Absage oder nur eine Hoffnung auf einen Rückruf zu bekommen, der aber nie ausgeführt wird. Einfach nur nervig! Mitte April soll das Praktikum losgehen, naja zwei Monate noch.
Aber nun starte ich erst einmal mit einem freien Kopf in die kommende Woche und werde den Blog wieder etwas pflegen. Bis bald!

Weihnachten gesucht ...

Samstag, 20.12.2014

Endlich ist es so weit. In wenigen Stunden trete ich meine Heimreise über die Weihnachtszeit an und die erste der schwierigsten Etappen des Studiums in Perpignan ist geschafft : alle Belegarbeiten sind abgegeben, die bis gestern fällig waren, das waren allerdings nur 4 von 6. Die uns zur Verfügung stehende Zeit haben wir auch wirklich bis zur letzten Sekunde gebraucht. In den letzten drei Wochen hatten wir glücklicherweise weniger Unterricht, da die dualen Studenten wieder in ihren Unternehmen sind – und das bis Februar. Die zwei übrigen Belege müssen wir in der Prüfungszeit im Janura abgeben. Zumindest hat schon jedes Gruppenmitglied seinen Teil fertig. Nun müssen wir zwischen den vielen Prüfungen noch ein paar Stunden finden, um alles zusammenzubasteln. Aber darüber mache ich mir dieses Jahr keine Gedanken mehr. Jetzt freue ich mich erst einmal rieesig, nach Hause zu fliegen und die kommenden zwei Wochen bei meinen Lieben zu verbringen - auch wenn ich mich währenddessen auf 14 Prüfungen vorbereiten muss.

Viele Ereignisse gab es auch in den vergangenen zwei Wochen nicht. Ich hatte am letzten Wochenende ein „Meeting“ in Millas mit meiner Gruppe, mit der ich das Projet Tuteuré (das CO2-Projekt) bearbeite. Da wir gestern einen Vorbericht dazu abgeben sollten und bis vor ein paar Tagen nicht im geringsten eine Ahnung hatten, was dieser eigentlich beinhalten soll, haben wir dort einen Projektmanager getroffen, der uns sehr gut weiterhelfen konnte.
Außerdem, durften wir im Rahmen des Unterrichts an einer Logistik-Tagung im Stadtzentrum über die neusten Entwicklungen des kombinierten Transports teilnehmen. Das Thema ist hier sehr aktuell, da sich in Perpignan - St. Charles eine riesige Logistikplattform für Obst und Gemüse befindet, die Frankreich zu 90% versorgt. Davon abgesehen wird hier gerade eine der größten "rollenden Landstraßen" entwickelt, die Perpignan und Luxemburg verbindet. Das sind Eisenbahnlinien, die LKWs aufladen, um Lieferungen schneller und umweltfreundlicher zu gestalten. Bei dieser Tagung kam ich mir vor wie ein Politiker im Parlament. Alle (außer meine Klasse) waren in Anzug und Krawatte präsent und jeder Platz im Auditorium hatte ein Mikrophon zur aktiven Mitgestaltung bereitgestellt. 

logistique Tagung

Da hier auch bis zum heutigen Tag noch immer keine wirkliche Weihnachtsstimmung eingetroffen ist, haben wir beschlossen, uns einmal den Weihnachtsmarkt von Perpignan anzusehen. Doch dort kamen wir uns eher wie auf einem Stadtfest oder Wochenmarkt vor. Statt Weihnachtsmusik, gab es Disco-Moves zu hören und die mit Lichterketten geschmückten Palmen waren auch recht paradox. In Sachen Beleuchtung könnten sich einige Städte aus der Heimat allerdings eine Scheibe abschneiden, auch wenn es schon fast zu viel des Guten und reichlich kitschig ist. Immerhin können wir in der Ferne beobachten, wie der Schnee den Canigou mehr und mehr bedeckt. In Perpignan kommt davon allerdings nicht viel an. Nur der starke Wind, der sich 15°C wie 5°C anfühlen lässt.

 

Gehirn braucht Urlaub

Samstag, 06.12.2014

Hallo, ihr Lieben! Entschuldigt, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Ich hatte leider ohnehin nicht viel zu berichten, da sich meine Wochen seit den Oktoberferien immer noch Tag für Tag aus Unterricht, Arbeit für die Uni, Lernen, schlafen und essen zusammensetzen. Zeit für andere Sachen bleibt leider nicht. Mittlerweile habe ich eine weitere mündliche Prüfung und zwei Vorträge hinter mir sowie zwei der sechs Belege abgegeben. Das waren die beiden Belege, die wir einzeln anfertigen sollten. Nun bleiben noch zwei Wochen, um vier weitere Projektarbeiten in Gruppen abzugeben. Fragt mich nicht, wie wir das anzustellen sollen, aber watt mutt datt mutt. Mittlerweile habe ich das Unileben hier ganz schön satt, denn es ist einfach nur anstrengend und zehrt Nerven. Ein Studium in Zwickau ist dagegen ein Ponyhof aus Zuckerwatte. Mit diesem Druck und steigender Unzufriedenheit steigt natürlich auch das Heimweh. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten, spätestens ab Mitte-Ende Januar, wenn die Prüfungsphase vorbei ist. Dann können wir endlich wieder etwas unternehmen und auch mal abschalten. Für die nächsten beiden Wochen motiviere ich damit, dass ich am 20.12. nach Hause kommen und endlich alle meine Lieben wieder sehen werde.

Während ich so an meinem Schreibtisch sitze und mich ständig von Fusseln und Fliegen ablenken lasse, gerät mein Blick auch immer öfter aus dem Fenster. Für manche Kuriositäten braucht man gar keine Ausflüge.
Nummer 1: In 30km Entfernung und knapp 2800m, auf dem Canigou, liegt nun schon etwas Schnee. Ich denke, dass es in nächster Zeit noch etwas mehr wird.

Der erste Schnee auf dem Canigou

In Perpignan beginnen die Temperaturen momentan, die 10°-Grenze zu erreichen bzw. leicht zu unterschreiten. Außerdem ist es hier teilweise wahnsinnig windig und man muss sich gegen den Wind stämmen, um nicht umgepustet zu werden. Das sollen wohl die Tramuntane sein. Also, ich bevorzuge Schnee im Winter!

Und Nummer 2: Kennt ihr das Lied: „Herbst ist da, Vögel gen Süden ziehn“? Ja, die Zugvögel kommen Scharenweise hier an und führen uns seit ein paar Wochen in Gruppen von Tausenden ihre Choreographien vor dem Fenster auf. Das ist fast wie ein Theaterstück, nur kostenlos, auf der Freilichtbühne und zusätzlich ein Wunder der Natur.

Zugvögel :)

Heute war der erste Tag seit Wochen, dass ich meinem Gehirn etwas Urlaub gegönnt habe. Wir waren in Barcelona - und haben uns dazu verleiten lassen, weil es erneut einen für uns völlig kostenlosen ERASMUS-Ausflug gab. Das letzte Mal war es Carcassonne und heute die Hauptstadt Kataloniens. Einerseits kam mein schlechtes Gewissen durch, weil ich heute überhaupt nichts für die Belegarbeiten gemacht habe und andererseits hat mir mein Gemüt zugeredet, auch mal abzuschalten. So haben wir also Barcelona erkundet. Zunächst waren wir auf dem Berg Montjuic, wo ein toller Ausblick über die Stadt wartet. Später ging es vorbei an der Säule von Christoph Kolumbus, entlang der famosen Rambla, in das gotische Viertel und für die Freizeit habe ich mit Kira und Fabian die Hafenzone erkundet. Wir hätten auch die Möglichkeit gehabt, den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Dieser hat uns aufgrund von enormen Menschansammlungen zum zweiten Adventswochenende allerdings weniger angezogen. Außerdem kann ich Weihnachten immer noch  nicht mit Palmen und zweistelligen Temperaturen verbinden. Es fehlen einfach die Kälte, Schnee, eingefrorene Füße, unsere Weihnachtsmusik und urige Glühweinstände.

Montjuic, BarcelonaMontjuic, BarcelonaBarcelona (ein Foto durch die entzückenden Busfensterscheiben)Statue Christoph KolumbusWeihnachtsflair in Barcelona??gotisches Viertel, BarcelonaRambla, Barcelona

Der Hafen von Barcelona hat mir sehr gefallen, außerdem saßen wir lange in der Sonne und haben uns wärmen lassen. Außerhalb des Schattens waren es sicher 16-18°. Trotz dass wir einen ganzen Tag in der Stadt waren, konnten wir nur einen Bruchteil von ihr sehen. Da wären schon mehrere Tage nötig, um ein echtes Barcelona-Feeling zu bekommen.

BarcelonaHafen, BarcelonaHafen, BarcelonaHafen, Barcelona

80-Stunden-Wochen

Samstag, 15.11.2014

Über die letzten beiden Wochen gibt es eigentlich nichts Besonderen zu berichten, außer dass ich jeden Tag von 9-18 Uhr Unterricht habe, samstags ebenso. Nach einer kleinen Pause zu Hause geht die Arbeit danach weiter.  Die Wochenenden reichen nicht einmal zur Hälfte aus, um alles zu erledigen. Immerhin haben wir bis 19. Dezember 4 Belegarbeiten in Gruppen und 2 individuelle Belege abzugeben. Dazu kommen in den nächsten Wochen noch zwei Vorträge, ein Interview und eine mündliche Prüfung. Es ist schon eine Herausforderung, allein die Gruppentreffen für die Projekte zu koordinieren. Nebenbei laufen die Bewerbungen für das Praktikum auf Hochtouren. Gestern hatte ich am Vormittag ausnahmsweise keinen Unterricht. Das haben eine Kommilitonin und ich gleich genutzt, um in das Industriegebiet (Saint Charles) von Perpignan zu fahren. Dort haben wir ein paar Bewerbungen verteilt. Persönlich hingehen kommt vielleicht besser an, als nur einen Brief zu schicken. Es gibt dutzende oder sogar hunderte Firmen dort, die Anlaufpunkt für Transportlogistik-Studenten sind. Mal schauen, wie die Resonanz sein wird.
Ansonsten gab es noch einen netten Fondu-Abend mit ein paar Mädels aus meiner Klasse und einen Kinobesuch. Wir haben „The Giver“ geschaut. Der Film war echt gut! Im Eingangsbereich habe ich gesehen, dass in Frankreich nun auch „Fack ju Göhte“ rauskommt (auf Französisch: „Ein Lehrer wie kein anderer“). Den habe ich gleich weiterempfohlen.
Also wie schon erwähnt, werden wir bis zu den Weihnachtsferien höchstwahrscheinlich keine Erkundungstouren mehr machen, wir haben einfach zu viel zu tun. Und der Spuk hat erst am 16. Januar ein Ende. In den ersten zwei Januarwochen stehen Semesterprüfungen an: 15 Stück in zwei Wochen. Fröhliche Weihnachten sage ich nur!

Viva España!

Dienstag, 04.11.2014

Die letzten drei Tage der Ferien starteten mit einem wunderbaren Mittagsschmaus in einer richtigen Crêperie. Für Tom als wahrer Gourmet und Feinschmecker war das ein echtes Erlebnis. Es war auch wirklich lecker. Erst gab für jeden eine herzhafte Galette mit Champignon-Speck-Ziegenkäse-Sahne-Schnittlauch-Füllung. Galettes sind wie Crêpes, nur salzig und aus dunklerem Teig. Zum Nachtisch haben wir süße Crêpes gespeist.

Weiterhin haben wir einen Tag in Girona in Spanien verbracht. Wir wussten vorher leider nicht, dass dort an diesem Wochenende Stadtfest war. Damit hätten wir im Leben nicht gerechnet, denn es war Allerheiligen, Feiertag also. Gironas Innenstadt war mit Menschen übersät und an unzähligen Ständen wurden Spezialitäten, Handwerk und Basteleien angeboten. Die Stadt ist auf jeden Fall einen Ausflug wert und hat ein ganz eigenes Flair. Auch Girona war einst von einer Stadtmauer umschlossen, deren Überreste wir ebenfalls besichtigt haben.

GironaGironaGironaGironaGironaGironaGironaGirona

Girona liegt wie auch Barcelona oder Perpignan in Katalonien. Das spanische Katalonien versucht zur Zeit unabhängig zu werden, weil es - neben dem Stolz auf die Region - durch den Tourismus in und rum um Barcelona wirtschaftlich sehr stabil ist. Es werden Volksentscheide durchgeführt und man ruft zur Stimmabgabe auf. Deshalb hängen in der Innenstadt unter den Fenstern überall Plakate und Banner.

GironaGirona

Außerdem haben wir eine spanische Spezialität ausprobiert: Churros. Das ist ein Gebäck, das in Form von langen Würstchen mit sternförmiger Kontur frittiert und mit Zucker bestreut wird. Das war ein Schmaus, das sag ich euch! Es schmeckt so ähnlich wie Krapfen, nur richtig knusprig :)

Churros

Am unserem letzten gemeinsamen Tag, wollten Tom und ich etwas am Strand entlang spazieren. Dazu sind wir nach Canet gefahren. Dort war es richtig windig und deshalb deutlich kälter als in Perpignan. Aber davon lassen wir uns nicht unterkriegen.

Gestern ging der Unterricht wieder los und am Abend musste Tom wieder zum Bahnhof, um seine Rückreise anzutreten. Der Abschied viel echt schwer. Da müssen wir nun mal durch. Doch zu Weihnachten sehen wir uns ja wieder :)

Bis dahin habe ich viel zu tun. Für den November steht jeden Tag Unterricht von 9-18Uhr auf dem Stundenplan, sogar samstags von 8h30 bis 12h30. Also bleiben nur noch sie Samstagnachmittage und Sonntage für die Unzahl von Projekten, die bis Dezember abzugeben sind. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Weihnachtsferien schnell näher rücken.

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.